Heute trage mein braungrundiges Viskosejerseykleid, das ich
kürzlich
hier vorgestellt habe.
Langweilig, wieder dunkelgrundig und was kleingemustertes
drauf (meine Mutter hat schon geschimpft ;-)), aber ich trage es nun mal heute.
Gestern entbrannte ja mal wieder eine heiße Diskussion über
das Thema, den Kopf auf den Fotos mit den selbst gemachten Kleidungsstücken zu
zeigen oder nicht.
Im Prinzip möchte ich mich eigentlich gar nicht dazu äußern,
weil ich die ganze Diskussion überflüssig finde.
Wieso macht sie es dann trotzdem?
Sie schreibt doch eigentlich sonst nichts anderes, als über
ihre Freud und ihr Leid beim
Nähen?
Und jetzt kommt ein Sermon, obwohl das ganze Thema
überflüssig ist?
Ich will jetzt nicht wie der Schuhbeck aus der uralt
Herta-Fleischwurstwerbug sagen: „ja eben drum.“
Nein, ich habe gerade mal das Bedürfnis und außerdem muss ich heute nicht arbeiten
(und schiebe mein Geschreibsel vor, damit ich nicht im Dach Spachteln muss).
Nun also meine, etwas ungeordneten Gedanken dazu:
1. Auf
ihrem Blog ist jede selbst die Bestimmerin, da haben sich die anderen
nicht einzumischen in das, was man schreibt.
Egal ob man schreibt, ich
finde es doof (absichtlich mal so formuliert) was die anderen machen und
deswegen verlinke ich sie nicht oder ob ich es eben so („doof“) mache.
Ob
es nun besonders nett ist, beim Kundtun der eigenen Meinung andere zu
bewerten, das sei freigestellt. Man kann, muss aber nicht, und man muss
dann natürlich mit Resonanz rechnen.
2. Ob auf den Fotos mein Kopf zu sehen
ist oder nicht, hat nichts mit der Persönlichkeit oder der „Tiefe“ des
Blogs zu tun.
Mein Blog zum Beispiel ist sehr flach, sehr monothematisch,
sehr langweilig.
Viele meiner Lieblingsblogs, viele ohne Kopf, sind da
sehr viel vielschichtiger. Verraten sehr viel mehr über die Schreiberin,
über ihre Gedanken, Einstellung, ihre Werte. Diese Blogs sind viel
persönlicher als meiner, zeigen mehr Gesicht. Sind dadurch lesenswert.
3. Aus
welchen Gründen der Kopf nicht gezeigt wird, ist jeder Bloggerin selbst
überlassen und muss auch nicht argumentiert werden.
Ich habe auch am
Anfang bei den Fotos den Kopf abgeschnitten, befinde mich aber seit
einiger Zeit in einer andern (beruflichen) Lage und kann daher inzwischen
mit der Problematik freier umgehen.
Mangelndes Selbstbewusstsein oder Angst
aus ästhetischen Gründen sein Gesicht nicht zeigen zu können, sehe ich
eher weniger als Beweggrund, zumindest was meine Altersklasse betrifft.
4. Ich
habe bewusst den langweiligen monothematischen Blog.
Mein Blog befasst
sich fast ausschließlich mit meinem Hobby „Nähen“, ich achte zum Beispiel,
um jetzt auf das Kopfthema zurück zu kommen, bei den Fotos darauf, nicht
zu sehr in die Kamera zu schauen, denn ich möchte, dass meine Kleidung und nicht mein Gesicht
angeschaut wird. Nicht weil ich ein Problem mit meinem Gesicht habe, an
das habe ich mich inzwischen gewöhnt, meine Pubertät liegt auch schon
Jahre zurück, sondern weil das Gesicht die Blicke zu sehr ablenken würde
und mir geht´s nun mal monothematisch – um meine Nähwerke.
5. Ich
bin keine geübte und talentierte Verfasserin. Meinungen, die im Blog Kund
getan werden, werden verstanden und missverstanden. Die eine oder andere
vermag es besser, Nuancen wieder zu geben und weniger Missverstehen zu
erzeugen. Mir fällt das schwer. Das Internet versteht keine Ironie und
sich dann immer wieder selbst rechtfertigen zu müssen über einen Punkt,
den man nicht mal so gemeint hat, das ist mir zu lästig.
Ich diskutiere
schon gerne, (natürlich am liebsten mit Leuten, die meiner Meinung sind
;-)), finde es aber müßig, mich mit vorgegebenen und festgefahrenen Meinung
beschäftigen zu müssen, egal, ob diese ideologisch geprägt sind oder
aufgrund einer persönlichen Antipathie herrühren. Nicht auf meinem
Hobby-Blog.
6. Ich
finde es sehr gut, dass es nicht nur solche „Biedermeier-Blogs“ gibt wie
meine.
Ich finde es wunderbar, über das Blog Gleichgesinnte zu finden und
gefunden zu haben. So unterschiedlich wir auch alle sind, wir haben ein
gemeinsames wunderbares Hobby, das uns verbindet. Bei diesem Thema dürfen
wir unverblümt irrational emotional miteinander umgehen und ernten dennoch
Verständnis.
Themen, die darüber hinausgehen, sind sensibel, da ist
weniger oft mehr, da ist es meiner Meinung nach besser, gerade im www,
zurückhaltender zu sein und schlicht weg freundlicher mit einander um zu
gehen, gerade wenn man sich nicht persönlich kennt.
Julia